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Erziehung

Der erste Tag im neuen Heim und nun schon gleich "Erziehung".-"Ist das nötig"- werden sich die meisten neuen Hundebesitzer fragen. "Aber natürlich" werden die Erfahrenen unter den Hundekennern sagen. Setzen wir die Situation vom ersten Tag mal in die Tat um. Der kleine Welpe kommt in Ihre Wohnung. Sie setzen ihn auf die Erde und ein nicht ängstlicher kleiner Hund wird sofort Ihre Wohnung inspizieren. Hoffentlich haben Sie alle wertvollen Gegenstände in Sicherheit gebracht und auch die Gardinen etwas hochgesteckt!!! Aber alles in Ihrer Wohnung können Sie nicht entfernen. Ihr kleiner Hund findet garantiert etwas, um sich für's erste damit zu beschäftigen. Sein Spielzeug darf er nehmen, aber darf er die Teppichfransen zernagen oder seine Zähnchen am Tischbein wetzen? Sicherlich sind Sie davon nicht begeistert. Sie müssen also in diesem Moment Ihren Unwillen kundtun. Aber wie? - Freundlich bestimmend, aber nicht mit grober Gewalt. Wie soll das geschehen? Nehmen wir einmal die Situation mit den Teppichfransen an. Sie sitzen in Ihrem Sessel und unterhalten sich, dem Welpen ist es langweilig geworden. Er möchte im Mittelpunkt stehen. Also geht er auf die Suche, um etwas zu finden, was ihm die Langeweile vertreibt. Da findet er die Fransen des neuen Perserteppichs. Es gibt wohl keinen Welpen, der keinen Gefallen an einem solchen interessanten Ding findet. Da Sie ja immer mit einem Seitenblick sehen sollten, was Ihr kleiner Freund gerade macht, haben Sie dies nun auch bemerkt. Falls Ihr Mißfallen etwa so lautet:"Na, du kleiner süßer Kerl, das darf man nicht" und weil Sie gerade so "geschimpft" haben, bekommt Ihr Monsterchen ein Leckerli als Entschuldigung. Da lacht Ihr Welpe Sie aber aus und weil ihm das Lecker schmeckt, wird er sehr schnell merken, daß er nur an den Teppich zu gehen braucht, einige nette Worte zu hören bekommt und dann ein Leckerli erhält. Im Endeffekt stehen Sie nun dumm da. Der Hund hat nicht gelernt, den Teppich zu meiden, er hat vielmehr etwas Neues dazu gelernt, nämlich wie er Ihren Mißmut umgehen kann. So funktioniert keine Erziehung. Sie müssen dem Welpen vom ersten Moment unmißverständlich klar machen, wer in Ihrem Haus das Sagen hat. Nicht er, sondern Sie. Und das müssen Sie ihm beibringen. Er wird Sie sonst für die Zukunft, weil sich immer wieder jeden Tag ähnliche Situationen ereignen, nicht für voll nehmen. Es wird zu Machtkämpfen zwischen Ihnen kommen, die schlimmstenfalls so weit gehen, daß er Sie beißt, weil Sie ihm z. B. nur sein Futter wegstellen wollten.

Aber so weit darf es nicht kommen! Stellen Sie sich nochmal die Sache mit den Teppichfransen vor. Sobald Sie bemerken, daß er an ihnen nagt und lutscht, haben Sie zu reagieren. Sehr temperamentvoll und knallhart haben Sie Ihr "Nein" durch den Raum zu schreien. Natürlich nicht so laut, daß Ihr Welpe einen Gehörschaden bekommt. Er wird Sie sofort verständnislos anschauen. Wiederholen Sie nun Ihr "Nein" wie ein Schulmeister, nur diesmal langgezogener und noch besser betont "Neiiin". Dieses Manöver kann den Welpen von dem Vorhaben bereits ablenken, und es kann sein, daß er neugierig auf Sie zu kommt. Was für eine Freude: "Ja so ist er lieb, brav ..." und was Ihr Sprachschatz noch so an Freundlichkeiten hervorbringt. Auch hier spielt die Formulierung keine Rolle - nur auf den Tonfall kommt es an.
Nun kann es aber sein, daß der Welpe Ihrem Ausruf keine Bedeutung zumißt und weiter vergnügt an den Fransen herumkaut. Also nochmals den Warnschrei ausstoßen und eine noch drohendere Haltung einnehmen. Hilft das wieder nichts, dann begibt man sich am zweckmäßigsten zu dem Welpen, nimmt ihm das begehrte Objekt aus dem Mäulchen, klopft ihm sanft (!) auf die Nase und wiederholt das Verbotswort. Außerdem nimmt man ihn und setzt ihn an eine andere Stelle. Ein geistig besonders beweglicher Welpe wird jetzt seine großen Kulleraugen auf Sie richten, und zwar mit einem solchen Ausdruck, als wolle er den Kopf schütteln. Es arbeitet sichtlich in ihm - er sagt: "Was soll denn das nun schon wieder?". Folgerichtig wird er, wenn Sie sich wieder hinsetzen, zu den Teppichfransen zurückkehren, um zu erproben, was das bedeutet. Wieder Ihr
"Nein", und jetzt müßte er eigentlich begriffen haben, was Sie von ihm wollen. Bleiben wir konsequent, so ist das "Nein" innerhalb von 24 Stunden begriffen - wenn er kein Döskopf ist. Der braucht etwas länger.

Nun kann es noch sein, daß er geflissentlich Ihr Verbotswort überhört und in einer Art Trotzreaktion nochmals dasselbe versucht. Jetzt tut körperliche Züchtigung not: unter einem lauten Verbotsschrei stürzen Sie sich auf den Renitenten, packen ihn nun ganz energisch am Nackenfell, heben ihn in Gesichtshöhe und schütteln ganz sanft. - Nein - . Böses Schauen wird von ihm auch wahrgenommen und mit dem übrigen Verhalten sowie mit den Teppichfransen verknüpft. Später einmal wird es genügen, ein leises, drohendes "Nein" oder "Pfui" zu sagen und böse zu blicken. Egal bei welcher Gelegenheit - er hat dann begriffen, wenn er an dieses Ding mit den Zähnen rangeht, wird Herrchen böse und kann zur Züchtigung schreiten. Ein Hund kann bei einer solchen konsequenten Grunderziehung so weit kommen, daß man es sich dann auch leisten kann, seinen Namen mit vorwurfsvollen Klang zu nennen und ihn entsprechend anzusehen.

Eigentlich müßten Sie immer auf der Hut sein. Hat Ihr Welpe verbotenerweise etwas angestellt und Sie waren abgelenkt oder nicht anwesend, nützt es gar nichts, ihn nach einiger Zeit, sobald Sie den Schaden bemerken, zu bestrafen. Ein Hund ist nicht in der Lage, Strafe und Geschehen dann noch miteinander zu vereinbaren. Es sieht zwar so aus, als hätte Ihr Hund ein schlechtes Gewissen, aber Hunde kennen kein schlechtes Gewissen. Reagiert ein Hund auf Ihren lauten Tadel mit folgender Mimik: angelegte Ohren, geduckte Körperhaltung und ein eingezogener Schwanz, so versucht er lediglich, Sie in der Hundesprache zu beschwichtigen. Aber Hunde lernen schnell: Hat ein Hund heute mit einer Kombination aus verschiedenen Geschehnissen (z.B. Urinpfütze, die eigene Anwesenheit und das Eintreten des Besitzers in denselben Raum) schlechte Erfahrungen mit seinem Besitzer gemacht, so versucht er morgen den kommenden Tadel von vornherein durch die Demutshaltung zu mindern. Auch wenn es so aussieht: Ein schlechtes Gewissen hat Ihr Hund nicht.
Vielleicht haben Sie einen Raum in Ihrer Wohnung, wo er nichts anstellen kann, wenn Sie mal außer Haus sind. Oder er fühlt sich in einem Laufstall mit Spielzeug oder in seiner Transportbox wohl.

Nun haben Sie gerade was von konsequent sein gelesen. Es geht also um die notwendige Beharrlichkeit, die schon in den ersten Stunden auch bei Ihnen im Hause klar zum Ausdruck kommen und die von allen Familienmitgliedern beachtet werden muß. Hierüber muß innerhalb der Familie, wie groß sie auch sei, von vornherein Klarheit herrschen. Was kann aus einem Welpen werden, dem das Teppichzerstören zwar vom Haushaltsvorstand verboten, von der siebenjährigen Tochter hingegen erlaubt wird? Zweifellos ein raffinierter Kerl, mit dem später einmal keiner mehr fertig wird. Denn er hat durchschaut, daß es in diesem Familienverband keine einheitliche Linie gibt und jeder macht, was er will - also nimmt er sich dasselbe Recht heraus.

Versuchen Sie also Ihrem Cairn die wirklich wichtigen Dinge mit äußerster Konsequenz beizubringen. Kleine Kunststücke oder einfache Unterordnungsübungen wie Sitz, Platz, bei Fuß oder das wichtige "komm her" lernt er natürlich am besten mit Lob und Belohnung, wenn er die geforderten Übungen aber nicht ausführen will, obwohl er längst verstanden hat, was er tun soll, sollte man auch da konsequent strafen.

In Hundeschulen wird Ihnen und Ihrem Hund beigebracht, wie die Befehle in die Tat umgesetzt werden. Eine Freude für Herrchen und Frauchen ist es, dem Welpen in einer speziell in der Hundeschule angebotenen Welpenspielschule zuzusehen. Sie glauben gar nicht, wie ein kleiner Cairn sich unter anderen, auch größeren Welpen anderer Rassen, behaupten kann.

Eine in Deutschland ziemlich neue und noch wenig bekannte Methode ist die Erziehung mittels Positiver Bestärkung. Einigen vielleicht schon unter dem Namen Clickertraining bekannt. Diese Methode ist völlig gewaltfrei und man kann, wenn man es geschickt anstellt, dem Hund alles zuverlässig beibringen, wozu er körperlich in der Lage ist, ohne ihn auch nur anzufassen. Ausführlichere Informationen zu diesem Thema sind unter anderem bei Cairn-Energie zu finden, ebenso Literatur.

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