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Kastration beim Hund
Kastration von Rüden:
Kastration ist die Entfernung
der männlichen Keimdrüsen (Hoden), die Sterilisation
hingegen ist die Durchtrennung der Samenleiter, d.h. die Hoden
bleiben am Rüden!
Die Kastration des Rüden
wird aus medizinischen Gründen z.B. bei Entzündungen
und Tumore im Bereich der Hoden oder Entzündungen und Tumore
im Bereich der Prostata durchgeführt. Aber auch bei aggressiven
Rüden kann durch die Kastration das durch andere männliche
Artgenossen ausgelöste Dominanzverhalten reduziert werden.
Die Gründe, weswegen ein
Tierbesitzer seinen Rüden kastrieren lassen will, sind sehr
verschieden: Für viele Besitzer ist beim geschlechtsreifen
Rüden das Urinmarkieren im Haus unangenehm, auch die Suche
nach läufigen Hündinnen oder das ständige Jaulen/Jammern
bei läufigen Hündinnen, die sich in der Nähe befinden.
Dieses Verhalten ist aber natürlich und wird durch die Keimdrüsen
erzeugt, vielmehr durch das Testosteron, das dort gebildet wird.
Eine Kastration kann diese dadurch bedingten Verhaltensäußerungen
reduzieren.
Der Rüde ist in der Regel mit höherer Aggressivität
ausgestattet als die Hündin, eine Kastration bewirkt aber
nicht eine generelle Aggressionsabnahme, sondern es wird die
Aggression gegenüber anderen Rüden reduziert. Andere
Arten der Aggression (gegenüber Menschen oder Hündinnen)
wird durch die Kastration nicht beeinflußt. Hier muß
und sollte eine verhaltenstherapeutische Maßnahme durch
den Tierarzt/Tierärztin mit dem Besitzer stattfinden.
Die meisten Probleme bei Aggressionen sind durch Fehler des Menschen
(Halter) bedingt, eine Kastration wäre so natürlich
eine "einfache" Art, dieses selbstgeschaffene Problem
zu beseitigen. Dies ist aber nicht möglich, hier muß
der Fehler in der Tierhaltung/-erziehung durch eine Therapie
mit dem Tierarzt/Tierärztin zusammen korrigiert werden.
Ob der Rüde durch eine Kastration in seinem Aggressionsdrang
zu entschärfen ist oder ob eine verhaltenstherapeutische
Therapie angezeigt ist, muß der Tierarzt/die Tierärztin
im Einzelfall entscheiden.
Die Kastration beim Rüden wird nicht routinemäßig
wie beim Kater durchgeführt. Der Kater besitzt in der Regel
viel mehr Freigang als der Rüde und stellt durch Rangkämpfe
und Ähnliches eine Gefahr für sich und andere Tiere
dar. Außerdem vermehrt er sich rasend. Hier ist eine Kastration
aus populationsreduzierenden Gründen angezeigt. Beim Hund
ist dies nicht der Fall; er streunt sehr viel seltener als der
Kater, weil er meist im Haus gehalten wird und nur "bewachten"
Ausgang genießt.
Um noch einem Vorurteil zu entkräften: Rüden werden
nach der Kastration nicht automatisch fett, faul und ruhig. Vielmehr
ist der Stoffwechsel beim kastrierten Rüden verändert
und er nimmt eher zu als früher, aber das ist durch entsprechende
Ernährung und Bewegung vermeidbar.

Kastration von Hündinnen:
Bei der Hündin bedeutet
Kastration die Entfernung der Keimdrüsen (Eierstöcke)
mit der Gebärmutter; die Sterilisation hingegen ist die
Durchtrennung der Eileiter.
Bei der Hündin stehen die
medizinischen Gründe für eine Kastration im Vordergrund.
Die Kastration wird zur Verhinderung von Tumoren in der Milchleiste
(Mammatumoren) eingesetzt, dies ist aber nur sinnvoll bei Kastrationen
vor der zweiten Läufigkeit. Die Gefahr besteht aber dabei,
daß Hündin zu früh operiert werden und nie die
typischen Körperausprägungen der erwachsenen Tiere
dieser Rasse zeigen (juveniles "welpenhaftes" Aussehen).
Auch die Lernfähigkeit soll bei Kastrationen vor der ersten
Läufigkeit reduziert sein, obwohl die Gefahr, an Mammatumoren
zu erkranken, danach sehr gering ist. Die Kastration nach der
zweiten Läufigkeit soll hingegen keinen Einfluß auf
Verringerung der Tumorbildung haben. Auch der spätere Wunsch
des Halters nach Nachkommen der Hündin ist dann nicht mehr
möglich.
Die Kastration der Hündin wird auch zur Verhinderung einer
Gebärmuttervereiterung (Pyometra) durchgeführt, vor
allem, wenn schon eine bestehende Gebärmutterentzündung
vorliegt. Diese entsteht dadurch, daß durch den geöffneten
Muttermund zu Ende der Läufigkeit Bakterien in die Gebärmutter
eindringen können. Diese können sich dann ungehindert
vermehren, weil der Muttermund sich nach ein paar Tagen wieder
schließt. Die Bakterien vermehren sich rasend zu einer
eitrigen Masse und geben dabei Giftstoffe in den Körper
ab, die zur Blutvergiftung führen können. Für
den Besitzer ist meist nur Mattigkeit und erhöhter Durst
sichtbar. Manchmal öffnet sich auch der Muttermund und kleine
Portionen Eiter sind für den Besitzer sichtbar. Bei rechtzeitigem
Erkennen einer Pyometra kann noch gut therapeutisch eingegriffen
werden. Im späteren Stadien ist die Gebärmutter so
prall gefüllt, daß nur noch die Kastration mit Entfernung
der Gebärmutter helfen kann. Manchmal platzt aber auch die
überfüllte Gebärmutter auf und es entsteht eine
eitrige Bauchfellentzündung, diese ist meist lebensbedrohlich
für die Hündin.
Auf die in der Regel zweimal
pro Jahr vorkommenden "Besuche" von Rüden durch
attraktive Duftstoffe der Hündin sollte schon vor dem Hundekauf
durch den Züchter oder den Tierarzt/Tierärztin (wenn
er/sie überhaupt um Beratung gefragt wird) hingewiesen werden.
Die Psyche der Hündin kann sich leicht durch die Kastration
verändern, dies ist vor allem bei ängstlichen und nervösen
Hündinnen der Fall. Diese werden selbstbewußter, konzentrierter
und zum Teil auch ausgeglichener.
Die kastrierte Hündin kann, genauso wie der kastrierte Rüde,
an Gewicht durch geänderten Stoffwechsel zulegen, dies kann
man aber durch Bewegung und ausgewogenes Futter gut vermeiden.
Bei der kastrierten Hündin kann es manchmal auch zum Harnträufeln
(Inkontinenz) kommen, dies ist aber meist nicht so stark ausgeprägt
und beschränkt sich auf wenige Male im Jahr. Der Tierarzt/die
Tierärztin können beim Vorliegen von Harnträufeln
medikamentös (hormonell) eingreifen und dies therapieren.
Ach so, die Rüdenbesuche
bleiben jetzt allerdings aus (außer man holt sie sich selber
ins Haus!), die kastrierte Hündin ist ja nicht mehr attraktiv
(Männer!). |